Die 50. Infanteriedivision im Feldzug gegen Polen

Nachdem der Befehl zur Mobilmachung mehr oder weniger ausgeführt war, zogen die Einheiten der nunmehrigen 50. Infanterie-Division in der Nacht vom 26. zum 27. August 1939 über Landsberg/Warthe in Richtung Schneidemühl. Die Ausrüstung ist eher dürftig und besteht zum größten Teil aus tschechischem Beutegerät. Jedes Infanterie-Regiment verfügt über 3 Bataillone zu je 3 Kompanien. Anstelle der fehlenden MG-Kompanie hat jede Schützen-Kompanie 2 s.MG 08. Die Regimentseinheiten sind nur andeutungsweise vorhanden. Die 13. (IG). Kompanie zieht mit nur 2 Geschützen ins Feld. Die Panzerjäger mit 3 3,7-cm-Pak. Das motorisierte Artillerie-Regiment besteht aus nur 2 Abteilungen (101 und 102). Ernste Sorgen bereitet das Personalproblem, welches durch die Mobilmachung nun spürbar wird. Knapp ein Drittel des Bestands ist alter Stamm. Der Ersatz besteht nur zur Hälfte aus Reservisten mit ausreichender Ausbildung. Der Rest ist mit dem Waffenhandwerk nur schlecht bzw. überhaupt nicht vertraut.

Am 28. August 1939 erhält die Division den Befehl, sich im Raum Flatow und östlich davon bereitzustellen.

 

Am 30. August 1939 erreicht die Division ihre Bereitstellung im Raum Ruden-Kietz-Seefelde-Flatow und löst die Grenzwacht des Abschnittskommandos 2 ab. Noch am Vormittag treffen die Kommandeure im Divisionshauptquartier in Kietz zusammen und erhalten hier die Einsatzbefehle.

Der Gegner hat anhand der Aufklärung nur schwache Kräfte im Grenzraum, Infanterie soll sich angeblich erst im 30 Kilometer entfernten Nakel befinden. Erst stärkere Gefechte werden im Raum hinter der Brahe zwischen Bromberg und Tuchel erwartet. Die 4. Armee beabsichtigt zunächst auf Krone vorzurücken, um hier die Verbindung zur 3. Armee herzustellen. Das III. Armeekorps unter General der Artillerie Haase, zu dem auch die 50. Infanterie-Division gehörte, sollte den Südflügel der 4. Armee decken. Die Division, rechter Nachbar 3. ID und linker Nachbar Kampfgruppe Netze und Lehr-Aufklärungs-Abteilung, sollte in südöstlicher Richtung vorrücken, ohne direkte Verbindung zu den Nachbarn. Als Angriffsspitze wählte Generalleutnant Konrad Sorsche rechts das Infanterie-Regiment 123 und links das Infanterie-Regiment 122 aus. Das Infanterie-Regiment 122 folgte hinter der Mitte.

Als 1. Angriffsziel der Division wird der Lobsanka-Abschnitt zwischen Lobsens und Güntergost ausgewählt. Jedem Regiment werden Pioniere unterstellt, um den Übergang über die Lobsanka zu erleichtern.

Am 31. August 1939 trifft gegen 20.00 Uhr der Befehl ein, dass der Angriff auf Polen am 01. September 1939 um 4.45 Uhr beginnt.

01. September 1939 - 4.45 Uhr der Angriff beginnt

Beide Regimenter stoßen schnell vorwärts, ohne auf nennenswerten Widerstand zu treffen. Bei der 1. Kompanie des Infanterie-Regiments 123 wird ein Soldat verwundet. Der erste Blutzoll der Division. Die befohlenen Angriffsziele werden erreicht. Gegen 10.00 Uhr trifft der Befehl, das Tagesziel, den Orla-Abschnitt, zu erreichen, ein. Spitze fahren die Radfahr-Spähtrupps und erreichen gegen Abend den Orla-Abschnitt, ohne auch nur einen Schuss abgegeben zu haben. Am Nachmittag wurde das IR 121 an das Korps als Korps-Reserve abgegeben.

Der 2. September 1939 sollte die Linie Slesin - Grenzdorf zum Ziel haben. Das IR 122 sollte das MG-Bataillon 8 bei Grenzdorf ablösen, den Ort nehmen und zur Abwehr übergehen. Das III. sollte auf Teresin südlich Grenzdorf vorgehen und lag zunächst in Michalin, zusammen mit Einheiten des MG-Bataillons 8. Hier wurden diese Einheiten von einem Artillerieüberfall überrascht und das II. musste den ersten Toten der Division beklagen. Nach Sicherung des Ortes Grenzdorf, beginnt gegen 21.30 Uhr ein polnischer Angriff, der von den jungen Soldaten des II. Bataillons zurückgeschlagen wird. Weiterhin kommt es zum Teil zu heftigen Artillerieduellen. Das IR 121 kehrte gegen Abend wieder in den Verband der Division zurück. Laut Befehl für den nächsten Tag, war weiterer Vormarsch auf das Weichselknie vorgesehen.

Am 3. September geht das IR 121 am Nordflügel, das IR 122 in der Mitte, dem sich das MG-Bataillon 8 anschließt und am offenen Südflügel das IR 123 vor. Ziel ist die Brahe. Nach 5 km Vormarsch erhält das IR 122 bei Wahlstatt erstes Abwehrfeuer. Das III. und MG 8 werfen den Feind. Ebenso kommt es zu schweren Kämpfen beim I./122. Die II./AR 39 versucht den Feind in Deckung zu zwingen.

Der Radfahr-Spähtrupp 123 gerät im Süden in einen Hinterhalt und erleidet empfindliche Verluste. Das I./123 stößt gegen den Jagdschützer Forst vor. Der dichtauf folgende Regimentsstab erleidet an einer Brücke Verluste durch eine Minenexplosion. Die Kämpfe im Wald werden zunehmend gefährlicher und werden schließlich abgebrochen.

Das IR 121 links, steht bei Wtelno, 2km vor der Brahe. Oberst Pilz lässt das Regiment halten. II./121 erhält den Befehl, als Vorhut die Brahe bei Lasnica zu überschreiten. Als Tagesziel gibt der Kommandeur die Weichsel aus. Die 4. Kompanie, nebst Pionieren des divisionseigenen Pi-Bataillons, übernehmen den Brückenübergang. Es kommt zu heftigen Artillerieüberfällen und zu Verlusten bei den Soldaten. Das Regiment wurde indessen von der Division angehalten, was die 4. nicht erfahren hatte. Nachdem der Übergang geglückt war, lag die 4. unter schwerstem Feuer und musste irgendwie aus der Schusslinie. Der Chef befahl daher in ein 600 m entferntes Gehölz zu begeben. Das Bataillon folgte jedoch nicht. Die Kompanie igelte sich ein, machte Aufklärung und suchte gegen Abend Verbindung zum Regiment.

Die Division blies mittlerweile den Vormarsch nach Osten ab und versuchte den Feind mit Stossrichtung Süden, zwischen Brahe und Bromberger Kanal zu stellen. IR 122 löste sich vom Feind vor Mocheln und rückte nach Wtelno. IR 121 stand an der grossen Strasse nach Krone um Trischin einen Bogen bildend. Die Division wies in Richtung Bromberg.

In der Nacht zum 4. September war der Gegner erneut ausgewichen und hatte die Stellungen westlich und nördlich Brombergs verlassen. Ein Befehl des Korps mit Angriff zur Weichsel (Osten) bzw. nach Bromberg (Süden) blieb vorerst aus. Zunächst sollte man bis auf 5 km auf Bromberg vorrücken. Das IR 121 sollte bei Trischin über die Brahe gehen und nach Süden eindrehen. Im Allgemeinen wurde aufgeklärt und gesichert. Gegen 18.00 Uhr traf der Befehl ein, am nächsten Tag Bromberg anzugreifen.

In den Morgenstunden des 5. September haben sich die Vorhuten der Regimenter bereits nah an die Stadt herangearbeitet. Deutsche Bewohner berichten von Gräuel und geben den deutschen Soldaten wichtige Informationen. Man rechnet seitens der Division mit Kämpfen gegen polnische Freischärler. IR 123 greift von Nordwesten in Richtung Westteil der Stadt an. IR 122 von Norden in den Stadtkern und IR 121 von Nordosten längs der Strasse von Osielsk durch die östliche Vorstadt. Weiterhin erhält das IR 122 den Sonderauftrag gefangene Deutsche im Regierungsgebäude zu befreien.

Angriff! Die Truppe ist im Häuserkampf nicht trainiert und kommt schnell in Unruhe, wird nervös. Beim IR 123 versammelt sich eine Gruppe von Zivilisten, als Leutnant Graf Schönburg nach vorn kommt, um deren Aufenthalt zu klären, fällt er durch Kopfschuss. Die Regimenter erhalten Unterstützung durch Offiziere der Landespolizei; Major Krafft (IR 123), Hauptmann Rost (IR 122) und Hauptmann Richter (IR 121), welche nützliche Tipps für den Strassenkampf geben können.

Die Befreiung der Deutschen im Regierungsgebäude durch Leutnant Orlowsky lief planmäßig und man konnte 30 zum Teil schwer misshandelte Männer retten. Alle Männer, auf die man trifft, werden durch das III./122 in einer Kaserne am Bahnhof zusammengetrieben. Die deutschen Männer werden nach Kontrolle der Ausweise voller Freude entlassen. Gegen 14.00 Uhr erreicht IR 121 im Südostteil der Stadt das Tagesziel, die Brahe, angrenzende Höhen werden genommen und gehalten. Der Kampf ist entschieden. Als neuer Stadtkommandant wird durch das III. Armeekorps Generalmajor Eccard Freiherr von Gablenz ernannt. Die Verluste beim IR 122 belaufen sich auf 15 Mann, darunter 3 Gefallene. Oberst Rudolf Pilz wird fortan Führer der Nachbareinheit der Division, der Kampfgruppe Netze, seinen Posten übernimmt Oberst Eckkard von Geyso. Gegen Abend geht die Division an der Danziger Strasse über die Brahe und besetzt die Linie Müllershof-Neu-Beelitz-Schöndorf-Schönhagen.

Am nächsten Tag, dem 6. September, sollte der Bromberger Forst gesäubert werden und so griff man diesmal wieder nach Osten an. II./121 stößt südöstlich gegen Legnano in Richtung Schulitz vor, während I./121 südlich in den Forst drängt. Sie stoßen hier auf starke Feindgruppierungen. Nachmittags steht die Division an der Linie vor Legnano (121) über Forsthaus Kobylbott (122) bis nördlich Hopfengarten (123). Man entschließt sich das Hauptaugenmerk auf das Durchqueren des Forstes zu legen, um so in den Rücken Legnano zu gelangen. Entweder zieht sich der Gegner zurück oder wird eingekesselt. Am späten Nachmittag verlegt der Divisions-Gefechtsstand ins Forsthaus Kobylbott. Beim Angriff auf Kobylbott geraten IR 121 und IR 122 in schweres Abwehrfeuer und erleiden herbe Verluste, besonders unter den Offizieren. Gegen Abend gelingt dem Feind bei der 5./122 ein Erfolg und die Kompanie geht unter schweren Verlusten ungeordnet zurück.

In der Nacht zum 7. September war der Feind erneut geflohen, jedoch bestand Unklarheit über den Aufenthaltsort des III./122. Die Division setzte dem Feind in Richtung Südosten nach. Am Jesuitersee stößt man auf 28 ermordete Zivilisten.

Am 8. September marschierte man bis auf 20 km an Thorn heran. Am 9. September erreichte man den Raum 25 km nordwestlich Wloclawek. Hier wurde die Aufstellung einer Kompanie pro Regiment von Marsch-Untauglichen gebildet, die den Regimentern langsam folgen sollten. Weiterhin wurden die unausgebildeten zu den Ersatz-Bataillonen zurückgeschickt.

Der 10. September hat Brzesc-Kujawski zum Ziel, wohin das IR 122 zusammen mit dem MG 8 befohlen wird. Das motorisierte Bataillon erhält am Zglowiaczka-Bach schweres Abwehrfeuer und bleibt liegen. Unterstützung bringt hierbei die Artillerie-Abteilung 101. Beide Einheiten stossen weiter auf Nowy Mlyn an und sperren den Übergang bei Kol. Michowice. Gegen 17.00 Uhr ist Nowy Mlyn durch die 1./122 eingenommen. Eine Krise gegen Abend wird bereinigt.

Am 11. September stösst das IR 122 südwärts auf Brzesc-Kujawski vor und marschiert weiter über Kruszyn auf Kowal. Vor Poddebice und Szatki versteifte sich der Widerstand auf bisher nicht erlebtes Niveau. Die Bataillone graben sich ein. Rechts geht das IR 121 bei Switoslaw und Skibice in Stellung

Am 12. September konzentrierten sich die Kämpfe vorwiegend auf die Bahnlinie Wlozlawek-Kutno, um so den Gegner enger einzuschließen und die Lücke zur 8. Armee zu verkleinern. Ein geplanter Angriff am frühen Nachmittag wird aufgrund schwerer Angriffe auf den Nachbarn abgesagt. Einige Einheiten, insbesondere das IR 123 erhielten diese Absage nicht und gingen wie geplant zum Angriff auf Skibice über.

Am 13. und 14. September wartete man gespannt die Kämpfe ab. Die Kampfgruppe Netze focht auch weiterhin gegen schwere Angriffe.

Am 14. September 1939 marschierte die 50. ID auf Gostynin und erhielt am Folgetag den Befehl, weiter nach Südosten auf Gostynin und Strzelce zu marschieren. Hier wollte man sich mit den Truppen von der Weichsel und von der Bzura vereinigen, um den Kessel zu schließen. Dazu wurden 2 Marschgruppen gebildet:

1. rechts IR 123 von Unislawice nach Süden über D. Modliborz, dann nach Südosten über Kanibrod, Janowo auf Lanieta, es folgte dahinter das IR 122

2. links IR 121 mit unterstellten Teilen des MG 8 auf der Chaussee nach Gostynin

Schon früh stieß IR 121 bei Dombrowo (8 km westlich Gostynin) auf den eingegrabenen Gegner und gegen Mittag erhielt auch IR 123 bei Lanieta Feindfühlung. Gegen Abend war Lanieta besetzt (123), ebenso D. Bolno und Niecki (122) und die 121er standen 6 km von Gostynin. Das Korps jedoch befahl Halten und eingraben, da man auf die Nachbarn, die Netze-Brigade und auf die 3. ID, warten musste, welche teilweise in schweren Abwehrkämpfen standen.

Am Morgen des 16. September stellte die Aufklärung fest, das sich der Gegner erneut zurückgezogen hatte und so marschierte man weiter vorwärts, überschritt die Skrwa und das IR 121 besetzte Gostynin. Die beiden anderen Regimenter schoben sich bis an die Strasse Kutno - Gostynin vor und trafen hier auf die Vorausabteilungen der 3. Leichten-Division. Rechts hatte man so wieder einen Nachbar und auch links nahm gegen Nachmittag die 3. Infanterie-Division Verbindung mit dem IR 121 auf.

Am 17. September erhielt die Division den Befehl auf Gombin vorzustoßen, das man gegen 14.00 Uhr erreichte. Unterwegs wurden Hunderte von Gefangenen eingebracht. Es schloss sich der Marsch in südostwärtiger Richtung nach Topolno an. Nach 12 km ergab sich ein kleines Gefecht bei Sanniki, der aber schnell von den 121ern gebrochen wurde. Hier erbeutete man zahlreiche Versorgungsfahrzeuge und brachte mindestens 1000 Gefangene ein.

Der nächste Tag wurde als Ruhetag genutzt und war von endlosen Gefangenenkolonnen gekennzeichnet. Die Division erhielt den Befehl, den Großraum des westlichen Bzura-Bogens zu durchkämmen. Zur Bewältigung der Sichtung der Beute und der Versorgung der Gefangenen wurde der Division zusätzlich die Netze-Brigade unterstellt. In den kleineren Städten wurden die Bataillonskommandeure Stadtkommandanten und ordneten das tägliche Leben. Mit dem Ende der Schlacht an der Bzura war auch für die 50. Infanterie-Division der Feldzug in Polen mehr oder weniger beendet.

Am 24.09. erhielt die Divisionsartillerie den Befehl nach Warschau zu verlegen um dort an der Eroberung der Stadt Warschau und Modlin teilzunehmen. Mit Kapitulation Warschaus und Modlins war der Krieg beendet.

Auf Divisionsebene setzte man eine Umformierung der Regimenter mit MG, IG und Pak-Kompanien durch. Am 11. Oktober wurde das IR 122 nach Warschau verlegt um dort ein anderes Regiment im Stadtteil Praga abzulösen. Hier war man an der Aufrechterhaltung der Ordnung beteiligt. Am 23. Oktober erhielt man aber auch hier den Befehl, in die heimatlichen Garnisonen einzurücken.

Die zurückgebliebenen Teile der Division, die bei Kriegsanfang im Bereich der Befestigungen zusammengefasst unter der Bezeichnung "Brigade Schellbach" verblieben, wurden anfänglich über Samter nach Posen vorgezogen, griffen jedoch in keinerlei kämpferische Handlungen ein und marschierten wieder in ihre Garnisonen zurück.

Es wurden 14 Offiziere und 380 Unteroffiziere und Mannschaften verwundet.

133 Gefallene Kameraden, darunter 9 Offiziere blieben im Felde.

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